Gold - oder lieber doch Silber?
(Stand 30.06.2010)
Die Hausse, die seit Anfang des Jahrhunderts die Bewegung der Feinunze Gold bestimmt, lässt Investoren immer häufiger die Frage stellen: Sind wir in einer Goldpreisblase, oder geht der Aufschwung weiter? Und vor allem: Gibt es eine mögliche Alternative?
Im Zuge der zahlreichen Finanz- und Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahre hat Gold eine Renaissance als Asset erreicht, die der Feinunze noch vor gerade einmal etwas mehr als zehn Jahren die wenigsten zugetraut hätten. Zu Zeiten des Internet-Booms waren Aktien das Maß aller Dinge, insbesondere die „Dotcoms“. Das hat sich kräftig geändert: Der Feinunzenpreis hat sich seitdem vervielfacht, was man von den international führenden Aktienindizes nicht behaupten kann. Und es gibt eine Menge Experten, die dem Goldpreis zutrauen, längst noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht zu haben.
Dafür gibt es gute Gründe, neben dem psychologischen Faktor des Goldes als „sicherer Hafen“ sind diese vor allem fundamentaler Art: Die Goldproduzenten sind nicht in der Lage, den Anstieg der Nachfrage – und vor allem das was noch an Nachfrage-Zuwachs zu erwarten ist – durch Steigerungen bei der geförderten oder recycelten Menge zu befriedigen. Diese klassische Situation für steigende Notierungen könnte sich noch verschärfen, wie der Blick auf die Gewichtung von Gold in den Depots der Großanleger zeigt. Der Anteil hat sich zwar erhöht, liegt aber weiter extrem deutlich unter den Prozentsätzen, die zu früheren Zeiten erreicht wurden.
Selbst wenn man einschränkend bemerken muss, dass Geldsysteme und Börse heute mit den Voraussetzungen im 20. Jahrhundert nicht vergleichbar sind, zeigt sich in den Daten eines ganz besonders: Eine weitere Anhebung der Goldgewichtung ist alles andere als unwahrscheinlich, was zudem durch die Beobachtung von Marktdaten wie den Investments von Gold-ETFs bewiesen wird. Aus Berechnungen der Experten der Erste Bank lässt sich schließen, was eine Erhöhung ausmachen würde. Je nach Stärke würde ein Nachfrageeffekt entstehen, der die Produktion von Jahren und Jahrzehnten vom Markt saugen würde. Und darin ist nicht mal ein steigender Bedarf in der Wirtschaft berücksichtigt. Kommt es dazu, wäre dem Goldpreis ein langfristiger Aufwärtstrend sicher, unterbrochen von gesunden Korrekturen.
Bei alledem darf man aber ein anderes Edelmetall nicht aus den Augen verlieren: Silber. Normalerweise weisen die Preise von Silber und Gold eine Korrelation aus, die seit einiger Zeit aber außer Kraft gesetzt scheint. Der Goldpreis wird deutlich oberhalb einer historischen Spanne zum Silber gehandelt, was diesem einen deutlichen Nachholbedarf bringt – vorausgesetzt, man sieht den Goldpreis nicht als überteuert an. Sollte dem Silberpreis ein charttechnisches Kaufsignal gelingen, könnte das Industriemetall zu einer Aufholjagd starten.
Der Faktor „Industrie“ ist dabei ein wichtiger Faktor, denn Silber ist ein wesentlich konjunkturabhängigeres Metall als Gold. Während letzteres als Geldanlage-Asset und sicherer Hort gegen Krisen gilt, kommt es bei der Silberpreisentwicklung vor allem auf die konjunkturellen Faktoren an. Der Sicherheitsaspekt, der dem Gold innewohnt, findet sich bei Silber nicht. Das Metall ist eher eine Spekulationsmöglichkeit auf konjunkturelle Entwicklungen und technologische Trends, die sich auf den Silberbedarf auswirken. Das ist Chance wie Risiko zugleich: Während kurzfristig Ängste um eine schwächer als erwartete konjunkturelle Entwicklung lauern, ist nach der Wirtschaftskrise mit einer langfristigen Erholung der Konjunktur zu rechnen. Das würde sich positiv auf den Silberpreis auswirken, der dann endgültig zur Aufholjagd auf den Goldpreis blasen könnte.
(Quelle: www.goldinvest.de)
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